Finnentag 2015 in Hohenlockstedt

 

Ansprache des Vorsitzenden der DFG Nord, Markku Nurminen, beim offiziellen Abendempfang:

 

Herr Bürgermeister Kirsten, Exzellenzen, Generäle, verehrte Gäste,
ja arvoisat suomalaiset juhlavieraat!

 

Vor einhundert Jahren kamen die ersten finnischen jungen Männer zum Lockstedter Lager zur militärischen Ausbildung, da sie mangels eigener militärischer Fertigkeiten Angst vor der Zukunft des autonomen Finnlands im russischen Zarenreich hatten.

Der 100-jährige Gedenktag heute hier in Hohenlockstedt ist ein einzigartiger Meilenstein in Aufrechterhaltung einer Tradition, wie sie in diesem Ort mit großer Leidenschaft schon seit Jahrzehnten gepflegt und gelebt wird, aber was gerade auf deutschem Boden gar nicht so selbstverständlich ist wie auf der finnischen Seite.

Im Gedenkstein am Ehrenhain ist die Inschrift eingraviert:
Das mächtige Deutschland nahm Finnlands junge Männer auf und erzog sie in seinem ruhmreichen Heere zu Soldaten.

Diese Soldaten und deren Nachkommen schufen im Winter- und Fortsetzungskrieg gegen die mächtige Sowjetunion die Legende des ruhmreichen finnischen Heeres. Sie haben die Unabhängigkeit Finnlands bewahrt und somit einen Grundsatz der Jäger eingelöst.

Auf diesen Ruhm der kämpfenden Soldaten und von Frauen (wie die Lottas), die anderweitig unentbehrliche und kriegswichtige Aufgaben erfüllten, gründet sich der gesunde finnische Patriotismus: die Nationalfahne präsentierend, sich stolz mit dem Vaterland identifizieren zu wollen, zu können und zu dürfen.

(Meine Mutter diente im Krieg als Fernmelde-Lotta im Hauptquartier in der Telefonzentrale von Marschall Mannerheim in dem Felsenbunker von Mikkeli.)

Heute bin ich auch ein wenig stolz darüber, dass ich im Jahre 1967, bevor ich nach Deutschland kam, meinen finnischen Wehrdienst in der Fernmeldekompanie des Jägerbataillons zu Kymi in Hamina abgeleistet habe.

In Finnland ist es selbstverständlich, der Kriegsveteranen und der Lottas zu gedenken und die militärische Tradition in der Gesellschaft in allen Ehren zu halten. In der Vergangenheit mag diese Kulturpflege manchem Jüngeren in dem friedlich erscheinenden Europa etwas zu historisch und patriotisch vorgekommen sein, aber die momentane Entwicklung rund um die Ukraine gibt allen Anlass und Berechtigung zumindest in Finnland diese Erinnerungen möglichst lebendig aufrecht zu erhalten. Aus der gleichen Richtung wuchs die Angst bei den jungen Finnen damals, als sie beschlossen, hierher zur Ausbildung zu kommen.

Die Geschichte hat aber Deutschland durch den zweiten Weltkrieg ein ganz anderes, tragisches Schicksal aufgebürdet. Die Inschrift des Gedenksteins kann als Richtschnur für die Identität mit dem Vaterland nicht mehr dienen. Bei gesellschaftlichen Diskussionen erlebe ich immer wieder, dass man kaum noch stolz auf irgendetwas sein darf, was das Vaterland angeht. Dabei hätte Deutschland doch so Vieles in der Geschichte und heute, worauf man stolz sein dürfen müsste.

Die Nationalfahne und die mit ihr verbundene Kultur und deren Pflege sind für die Finnen ein fundamentaler Bestandteil im Leben - wie die Sauna. Ohne diese gäbe es wohl kein erfülltes finnisches Leben.

In Deutschland scheint die Fahne für den einzelnen Bürger als Identifikation mit dem Vaterland ein fremdartiges Mittel zu sein, mit dem man nicht richtig umzugehen weiß, oder nicht kann, vom würdevollen Umgang mit der ganz zu schweigen.

Zum ersten Mal sah ich ein Aufblühen der Kultur der deutschen Fahne im Jahre 2006 - bei den Fußball-Weltmeisterschaften in Deutschland. Autos waren mit Fahnen geschmückt, an einem waren es gar acht Stück zwischen die Scheiben eingeklemmt. Da ging mir als finnischem Fahnenpatriot gleich die Ernsthaftigkeit der Sache nach unserem Verständnis verloren.

Ernüchternd musste man letztendlich feststellen, dass diese Fahneneuphorie lediglich die Zeit der Fußballspiele überdauerte.

Ich bin stolz, dass ich als Vorsitzender der Deutsch-Finnischen Gesellschaft Nord mit unseren Mitgliedern und Freunden hier in Hohenlockstedt gemeinsam mit dem Bürgermeister und den sehr engagierten Gemeindevertretern eine Traditionspflege begleiten und unterstützen darf, die einzigartig ist: Die Wiege finnischer Identität und Unabhängigkeit auf deutschem Boden.

Viele langjährige persönliche Beziehungen sind dabei ausschlaggebend. Die Städtepartnerschaft zwischen Hohenlockstedt und Lapua und die Zusammenarbeit mit dem Traditionsverein des Jägerbataillons 27, mit dem Verein für Kultur und Geschichte und mit der hiesigen Deutsch-Finnischen Gesellschaft sind die tragenden Säulen auf dem Fundament der traditionsbewussten Gemeindepolitik Hohenlockstedts.

Ich wünsche dieser Traditionspflege noch eine lange Zukunft im Gedenken der finnischen Jäger in Deutschland.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

 


 

Hamburg, 14.02.2015

Duo Hermanchito begeistert das Publikum in Buxtehude, Buchholz und Hamburg

 

Mit fünf Auftritten in Norddeutschland (Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und drei Mal bei der DFG Nord in Buxtehude, Buchholz und Hamburg) und in Bayern ist die Hälfte der ersten Tourneegruppe der DFG-Künstler 2015 mit dem Duo Hermanchito erfolgreich abgeschlossen. Die zweite Hälfte mit weiteren acht Auftritten in mehreren Bundesländern erfolgt im November dieses Jahres.


Vilja Riutamaa, 1988, (Gesang) und ihr Bruder Matti Riutamaa, 1984, (Gitarre) verzauberten die Gäste mit Opernarien, spanischer Weltmusik und finnischen Schlagern. Lediglich das sehr anspruchsvolle Stück von G. Puccini: O mio babbino caro aus der Oper Gianni Schicchi musste wegen Reizung der Stimmbänder von Vilja in Hamburg ausfallen. Dem Publikum fiel es nicht auf, denn die grazile Vilja hatte den Kirchensaal der finnischen Seemannskirche mit 60 Zuhörern fest in ihren Bann gezogen.

Welch ein entzückendes Geschwisterpaar, das nicht nur durch seine ansprechende äußere Erscheinung begeisterte, sondern mit einer grandiosen Stimme von Vilja Erwartungen auf etwas Größeres in der Zukunft begründete.   

Nach dem Konzert war das verdiente Abendessen mehr als angesagt. Ein Speiselokal in dem Hamburger Szeneviertel zwischen dem "Michel" und den Landungsbrücken zu finden erwies sich aber mehr als mühsam. Am Samstagabend gegen 20 Uhr ohne rechtzeitige Reservierung Plätze für eine Gruppe in einem Restaurant zu bekommen ist ohnehin ein Abenteuer, aber am Valentinstag ist es fast aussichtslos.
Durch Mühewaltung befreundeter Vereinsmitglieder gelang es uns doch einen Tisch an einem der traditionsreichsten Hamburger Restaurants zu ergattern, in dem berühmten Old Commercial Room gegenüber der Michaelis-Kirche, dem Wahrzeichen Hamburgs.

Wenn schon Hamburg und ein traditionsreiches Speiselokal, dessen Wände mit Bildern aus der Geschichte der Hansestadt und Portraits von Prominenten Hamburgs, Deutschlands und aus aller Welt bepflastert sind, sollte es als Speise an einer echten Originalität aus Hamburg nicht fehlen: für Matti gab es den echten Hamburger Labskaus (ein uraltes Hamburger Seemannsgericht) und für Vilja eine Kutterscholle Finkenwerder Art. (Der dreistündige Ausklang des Abends erfolgte rege und entspannt allen mundend mit rein finnischsprachiger Unterhaltung.)

 

                                                                                                                                    ( Bericht: Markku Nurminen)